Blockchain ermöglicht Flexibilität und lokalen Handel

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Die Blockchain-Technologie ist zuerst im Bereich der Kryptowährungen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit getreten. Sie darauf zu reduzieren, sei aber verkehrt. Auch im Energiesektor biete sie zahlreiche Möglichkeiten, lokale, kleinskalige Produkte dezentral zu handeln, sagt Michael Merz, Geschäftsführer des IT-Unternehmens Ponton.

Bisher wurde unter einem Online-Marktplatz der zentral organisierte Handel für Dritte verstanden – dies gilt selbst für sogenannte Peer-to-Peer-Marktplätze wie Uber und Airbnb. Mithilfe der Blockchain-Technologie hat sich dies geändert: Die Software, welche den Handel ermöglicht, ist auf mehrere Knoten der Blockchain-Infrastruktur verteilt, die gemeinsam über das Zustandekommen von Handelstransaktionen entscheiden. Es existiert somit auch nicht mehr ein einzelner Ort, an dem sich das Orderbuch für die Marktteilnehmer materialisiert, sondern jeder Teilnehmer besitzt eine Kopie des Orderbuchs. Die Aufgabe der Blockchain ist hierbei, die Orderbücher dieser Teilnehmer zu synchronisieren.

Diese Entwicklung hat verschiedene disruptive Potenziale: Zum einen ist die Rolle des Betreibers nicht mehr erforderlich. Wenn also die externen Kosten des Handels als zu hoch empfunden werden und der zentrale Betreiber keinen Mehrwert liefert, der über das Ausführen von Kauf- und Verkaufsorders hinausgeht, kann der verteilte Algorithmus der Blockchain die zentrale Betreiberorganisation ersetzen. Zum anderen sind Marktteilnehmer in der Lage, selbst die zu handelnden Produkte zu definieren. So können sich Interessengruppen zusammenfinden, die auch exotische oder neue Produkte wie Lastgänge, Power Purchase Agreements (PPA) oder Echtzeit-GoO (Guarantees of Origin) handeln.

Flexibilität und lokaler Handel

Der zukünftige Energiehandel wird sich jedoch keineswegs auf den Großhandel beschränken: Neben dem heutigen Spot- und Termingeschäft mit einigen Hundert Markteilnehmern und wenigen Marktgebieten zeichnen sich bereits weitere Märkte ab, die aufgrund der dezentralen Erzeugung in Zukunft an Bedeutung gewinnen: Ein Beispiel ist der Handel von Flexibilität, welcher der Linderung von Netzengpässen dient.

In Verteilnetzen ist dies per Definition ein lokal begrenzter Markt, bei dem Erzeuger und Verbraucher einen Marktplatz nutzen, um Ihre Möglichkeiten zur Lasterhöhung beziehungsweise ‑reduktion in verteilten Orderbüchern handeln. Eine solche Lösung findet sich bei der Energieplattform im Projekt NEW 4.0., einem der vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten, länderübergreifenden SINTEG-Projekte. Dieses zeigt auf, mit welchen Verfahren sich eine Region mit 4,5 Millionen Einwohnern bereits 2035 zu 100 Prozent mit regenerativem Strom versorgen kann.

Des Weiteren wird der lokale Handel unter Nachbarn in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Dies nicht zuletzt, weil dieser Handelsprozess im Rahmen des Legislativpakets „Clean Energy for all Europeans“ der EU-Kommission in wenigen Jahren ermöglicht werden muss. Marktteilnehmer sind hier Betreiber von erneuerbaren Erzeugungsanlagen, Verbraucher und Batteriespeicher. Auch die klassische Rolle des Lieferanten verändert sich: Er wird selbst zum Restlastversorger und im Extremfall zum Teilnehmer am lokalen Markt. Der Handel von Strom erfolgt hierbei dezentral innerhalb eines Teilnetzes. Als Beispiel sei hier das Projekt ETIBLOGG genannt: Dieses ebenfalls vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Projekt hat eine auf Blockchain-Technologie basierte Lösung zum Ziel, die den Handel von Kleinstmengen an Energie effizienter und vor allem schneller macht.